Ich kann schweben

“Du kannst schweben?” fragte mich einmal eine Kursteilnehmerin. “Ja, ich kann schweben”, strahlte ich ihr ins Gesicht. “Aber nicht, weil mich Yoga in einen Dauer-Flow versetzt, sondern weil ich dazu bestimmt bin, über dem Boden zu tanzen.” “Bestimmt?”, fragte mich mein Gegenüber erstaunt.“Ja, weil ich seit meiner Geburt mit einem körperlichen Handicap lebe, das mir nicht erlaubt, auf eigenen Beinen zu stehen.”Heißt das, du bist unselbstständig?”. “Nein, ganz und gar nicht”, lache ich. “Dass heißt nur, dass mein bester Freund Rolli kein hübscher Bursche ist, sondern mein Wheelchair. Ich nenne ihn liebevoll Rolli, weil er mich überall hinbegleitet.”

Meine Kursteilnehmerin war wohl ein wenig überrauscht von meiner Offenheit und fasste daher Mut zu einer nächsten Frage: “Du bist Yoga-Trainerin, wie schaffst du die Herausforderungen deines beruflichen Alltags?” “Wahrscheinlich besser als meine Kolleginnen ohne Handicap, weil ich wirklich weiß, was es heißt, über dem Boden zu schweben.”

“Ihr könnt euch davon überzeugen. Wir sehen uns bei der nächsten Yoga-Einheit. Ich freue mich!”

Eure Sarah